Mindestens ebenso wichtig und bemerkenswert wie die formalen Wechselbeziehungen sind freilich die inhaltlichen Dialoge.
Einmal die innerhalb Leporellowand, zum anderen die zwischen der Wand und der gebauten Umgebung. Altes und Neues werden einander zugeordnet.
Im zweiten Bildsegment (Zählung von links nach rechts) zitiert Gerd Winner eine für die Maxvorstadt typische und überhaupt für traditionelle Bausubstanz bezeichnende Althausfassade; das soll keiner Nostalgie Vorschub leisten, das könnte eher verstanden werden als Gedächtnisstütze und zugleich als Sinnbild dafür, dass etwas, das sich in der Vergangenheit bewährt hat, in einer sich immer erneuernden Stadt nicht ewig währen kann.
Im ersten, vierten und sechsten Bildsegment sind - wie beim Althauszitat in abgeschwächten differenzierten Erdfarben - Gerüstdetails, Gerüststrukturen an abgestützten Kommunmauern zu sehen bzw. (im sechsten Segment, ganz rechts) bizarre Mauerstrukturen an einem stehen gebliebenen Altbau, Strukturen als Spuren des Lebens in einem Abbruchhaus.
Die Gerüste haben wiederum symbolische Bedeutung: zwischen erhaltene Architektur wird neue Architektur eingespannt, das Alte wird gestützt, bis es von Neuem festgehalten wird.
In den Bildsegmenten drei und fünf kommt Winner - in gedämpft warmem Blaugrau - auf den Kontrapunkt; hier sind nicht nur architektonische Eleemente der Amalienpassage, sondern überhaupt Teile, Mittel der Formsprache des modernen Bauens collageartig zusammengefügt.
Die sechs Bildzonen - nebeneinander, gegeneinander, miteinander - ergeben, wie es beabsichtigt war, wie es zwischen Gerd Winner und Jürgen von Gagern und Eva-Maria von Gagern-Hübsch abgestimmt wurde, eine "Reflexion über urbane Bausituationen" (Winner), eine optisch verdichtete, sinnbildliche Erläuterung der Erkenntnis "Lebendige Stadtbereiche unterliegen einem Prozess ständiger Veränderung und Erneuerung (von Gagern). |